Was haben 210 x 297 (in mm), 0,06237 (in qm) und 2480 x 3508 (Pixel bei 300 ppi) gemeinsam? Richtig! Beides schieben wir als DIN-A4-Blatt in unsere Drucker. Oder schreiben unsere Liebesbriefe darauf. Die erste DIN-Norm allerdings betraf nicht das Papier … sie erschien am 1. März 1918: „DIN 1 – Kegelstifte“.

Doch wie entstehen Normen überhaupt? Wie läuft ein Verfahren zur Anerkennung einer Standardisierung? Und wie war der Prozess bei der Genese der DIN 77230 “Basis-Finanzanalyse für Privathaushalte”? Genau dafür haben wir den Experten für dieses Thema in Heidelberg besucht: Dr. Klaus Moeller.

Er ist Mitbegründer und Vorstand von DEFINO. Das Unternehmen versteht sich als Institut für Finanznorm. und hat den Prozess bis zur Einführung der DIN-Norm 77230 im Februar 2019 maßgeblich mitgestaltet. Seit den ersten Plänen zur Erstellung eines standardisierten Regelwerks als Grundlage für Finanzberatung hat sich viel getan. In Kooperation mit ausgewählten Partnern fungiert DEFINO mittlerweile wie ein TÜV der Finanzbranchen-Standards.

Die Deutsche Industrienorm – jetzt auch in der Finanzberatung

Es gibt DIN-Normen zu vielen Themengebieten: Maschinenbau, Bauwesen, Luft- und Raumfahrt, Informationstechnik, Umweltschutz oder Feinmechanik. Aber auch für abstrakte Sachverhalte wie einer Finanzberatung. Können Dienstleistungen überhaupt normiert werden? Ja, sagt Moeller:

„Das können aber auch Prozesse sein. Man einigt sich darauf, dass für eine bestimme Art von Prozess, wie zum Beispiel der Ermittlung des finanziellen Status eines Privathaushaltes, ein bestimmter Weg als der beste angesehen wird.“

„Normungen haben nichts Einengendes“

Und das unterscheidet laut Moeller Normen von gesetzlicher Regulatorik. Bestes Beispiel: DIN A4 Papier.

„Das misst man einfach nicht nach. Bei DIN A4 können sie sich darauf verlassen, dass es in ihren Drucker und Kopierer passt. Und wenn Sie heute eine Kaffeemaschine kaufen, dann müssen Sie nicht erst nach dem Stecker schauen, um zu wissen, dass er in die Steckdose passt.“

Fazit: Für den Verbraucher erleichtern Normen das Leben, verbieten aber zeitgleich nicht die Vielfalt, wie es etwa bei Gesetzen der Fall wäre.

“Die Norm ist kein Instrument, das den Berater vom Markt eliminiert“

Mit der DIN-Norm 77230 kam die erste Norm für die Finanzwirtschaft. Eine Bereicherung oder der Anfang vom Ende der persönlichen Beratung? Denn sollte irgendwann auch der Prozess der Finanzberatung so genormt sein, dass man ihn digitalisieren könnte, würde der Berater dadurch nicht obsolet? Keineswegs, sagt Moeller. Denn digitale Apps und andere Plattformen seien und blieben Hilfsmittel.

„Die Norm ist tatsächlich bei allen Bestrebungen nach Einfachheit und Komplexitätsreduzierung die Basis. Da von einem Berater persönlich durchgeleitet zu werden, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass man wirklich zu einem vollständigen Ergebnis kommt.“

Das und vieles mehr zum Mithören im zweiten Teil der neuen Folge unseres Podcasts.

Titelbild: ©DEFINO

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